Trompeten und Gesang

01.Oktober 2012 | Beiträge – jüdisches berlin | Jugend
Die Musikschule im Jugendzentrum Olam und ihr Leiter Stas Varshavsky

Rockmusik dringt aus dem Keller auf den Hof der Synagoge Joachimstaler Straße. Disko mit Adele am Sonntagmittag? Nein, hier übt eine der Musikgruppen des Jugendzentrums Olam. Und illustriert musikalisch zwei Aspekte des pädagogischen Konzepts des Leiters der Musikschule, Stas Varshavsky. Zum einen sollen die Kinder viele verschiedene Stilrichtungen kennenlernen. Neben jüdischer Musik stehen Jazz, Pop, Rock und Klassik auf dem Programm, und es gibt drei Gesangslehrer mit verschiedenen Spezialisierungen. Zum anderen setzt Varshavsky auf die Kombination aus Einzel- und Gruppenunterricht, wobei die Gruppen je nach Alter und musikalischem Niveau zusammengestellt werden. Im Durchschnitt üben zehn Kinder zusammen und bilden ein »Kollektiv«, das nicht nur Musik zusammen lernt. »Es entstehen Freundschaften, die die Schulzeit überdauern«, meint Varshavsky. Und betont, dass die Kinder so auch die allseits gefragte Teamfähigkeit und Verantwortung für einander und für die Gruppe verinnerlichen.

Jedoch wird hier nichts unter Zwang gelehrt. Die Kinder wählen selbst, welches musikalische Fach sie lernen wollen und haben die »Qual der Wahl«: Stas Varshavsky selbst unterrichtet Flöte, Saxofon, Bassgitarre, Klavier und Schlagzeug, seine Kollegen darüber hinaus Sologitarre, Trompete und Gesang.

Fünf der neun Lehrer sind ehemalige Stas-Schüler. Die Bindungen bleiben bestehen, auch zu den Schülern, die nicht Profimusiker geworden sind: »Sie spielen weiter und bleiben der Musik treu«. Varshavsky hat auch noch Kontakt zu seinen ehemaligen Schülern in Dnepropetrowsk, wo er bis 1997 die Jazz-Abteilung der Musikschule leitete. »Meine Schüler sind überall auf der Welt verstreut!«, auch in Israel, wie die ehemaligen Schüler, die aus Familien von früheren Botschaftsmitarbeitern in Berlin stammen. »Erst kamen die Kinder, dann fragten mich die Eltern, ob sie mitlernen könnten, und am Ende hatten wir ein kleines altersgemischtes Jazzorchester an der Botschaft. Sie spielten wirklich gut!«.
Probe in der Musikschule im JugendzentrumStas Varshavsky
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Überhaupt sind bei Varshavsky nicht nur Musikbegeisterte im Alter von sechs bis 21 Jahren willkommen, sondern auch deren Eltern. »Leider sind das meist nur die Mütter, die Väter könnten ebenso ihre Hemmung überwinden… es ist nie zu spät!«, lacht der 53-Jährige.

Stas Varshavskys Sohn Max ist inzwischen ein höchst professioneller, in Jazzkreisen anerkannter Saxophonist. »Mein Sohn ist mein Lieblingsschüler!«, schwärmt Stas. Er selbst arbeitet in seinem alten Beruf und managt die Musikschule und Musikgruppen. Aber im Gegensatz zum Kinderorchester in der Sowjetunion kann er heute mit seinen Sprösslingen zu Konzerten und Wettbewerben weit reisen: nach Stockholm, Prag, Barcelona, Moskau, Malta, Wien oder Riga. Und auch Berlin selbst bietet viele Auftrittsmöglichkeiten: zum Beispiel bei der »Goldenen Chanukkia«, wo zwei seiner Schüler einen »Grand Prix« gewannen oder am 18. November, wenn Schüler der Musikschule im Gemeindehaus die neuen Gemeindemitglieder musikalisch begrüßen werden.

Die Bühnenerfahrung, meint Stas, ist einerseits eine gute Schule für das spätere Leben, egal, in welchen Beruf die heutigen Kinder und Jugendliche tätig sein werden. Andererseits verursache ein bevorstehender Auftritt natürlich Lampenfieber und Versagensängste. Den richtigen Zeitpunkt für das erste Konzert einer Gruppe zu finden, das ist die große Kunst, die ein erfahrener Pädagoge beherrschen sollte. Und dann wird aus einem geplanten Konzert ein gemeinsames Ziel, das alle und jeden in der Gruppe motiviert und diszipliniert: »Unser Publikum ist schließlich der strengste Prüfer. So ist die Musikwelt!«

Etwa sieben Auftritte im Jahr haben die älteren Schüler. Aber auch die Proben sind gut besucht: Als die 13- bis 14-Jährigen ein Lied aus Adeles Repertoire rocken, sitzen ihre Eltern im Probenraum und genießen die gute Unterhaltung. Und wie es scheint, tut das auch ihr strenger und liebevoller Lehrer.

Irina Leytus

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